Süßstoff-Verband Studie: Im Rahmen der aktuellen Ernährungsstrategie werden Anpassungen am Lebensmittelangebot diskutiert.

ad-hoc-news.de: Geschmacksfreiheit in Gefahr: Widerstand gegen geplante Geschmacksvorgaben des Ernährungsministeriums / Tag der Süße am 17. Juni 2023. Lebensmittel sollen gering verarbeitet sein. Ihr Fett-, Zucker- und Salzgehalt soll weiter reduziert werden. Auch Reformulierungen mit Süßstoffen sind nicht erwünscht. Ein Aspekt wird dabei jedoch völlig außer Acht gelassen: Die Geschmackspräferenzen der Verbraucherinnen und Verbraucher. Kritische Stimmen gegen die Pläne des Ernährungsministeriums kommen derweil aus der Regierungskoalition selbst, von der Opposition und seitens der Industrie.

Am 17. Juni 2023 findet zum dritten Mal der „Tag der Süße“ statt. Im vergangenen Jahr hat der Süßstoff-Verband mit diesem besonderen Thementag auf die Bedeutung des „süßen Genusses“ aufmerksam gemacht. Hierzu wurde eine repräsentative Umfrage beim Marktforschungsinstitut INNOFACT in Auftrag gegeben, bei der 97 Prozent der Befragten angaben, eine Vorliebe für den süßen Geschmack zu haben. Doch genau diese Geschmacksausprägung soll schon bald reglementiert werden. Konkret heißt es aus dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), dass Lebensmittel weniger süß schmecken sollen, damit sich die Verbraucher/-innen nicht an den süßen Geschmack gewöhnen. Dieses Argument der Süßgewöhnung entbehrt jedoch jeder wissenschaftlichen Grundlage.

Unerwünschter Eingriff in die Geschmacksfreiheit

„Wir sprechen hier ganz klar von einem Eingriff in die Geschmacksfreiheit. Es geht nicht mehr um eine ausgewogene und kalorienarme Ernährung, sondern um ein Geschmacksdiktat, das die Geschmackspräferenzen von Verbraucherinnen und Verbrauchern grundlegend verändern soll. Die Frage, ob diese Bevormundung durch die Politik überhaupt erwünscht ist, scheint sich im Ernährungsministerium niemand zu stellen. Das Problem: Nur die wenigsten wissen, was über ihre Köpfe hinweg entschieden werden soll“, erklärt Anja Roth, Ernährungswissenschaftlerin und fachliche Ansprechpartnerin des Süßstoff-Verband e.V.

Süßstoff-Verband setzt sich für Geschmacksvielfalt ein

Mit der Kampagne #geschmaeckersindverschieden begleitet der Süßstoff-Verband stellvertretend für viele Verbraucher/-innen in Deutschland kritisch die aktuelle politische Debatte um Werbeverbote, Ernährungsstrategie und Reduktionsziele. Gestartet wurde die Kampagne mit einer Plakataktion in Berlin. Unter der Überschrift „Ein Geschmacksdiktat schmeckt niemandem“ hat der Süßstoff-Verband im Mai 2023 ein klares Statement für Geschmacksvielfalt, ein großes Lebensmittelangebot sowie die freie Wahl der Verbraucherinnen und Verbraucher gesetzt.

Unterstützung aus Politik, Industrie und von Verbraucher/-innen

Die Kampagne des Süßstoff-Verbandes fand Zustimmung bei Vertreter/-innen aus Politik und Industrie, aber auch bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern auf der Straße. Dr. Gero Hocker, ernährungspolitischer Sprecher der FDP Bundestagsfraktion, stellte klar: „Es ist nicht Aufgabe des Gesetzgebers, den Geschmack von Menschen in eine bestimmte Richtung zu lenken. Süß, herzhaft oder salzig, das soll jeder für sich selbst entscheiden. Der Gesetzgeber sollte nicht in die Vielfalt der Geschmacksentscheidung eingreifen.“

Auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Christina Stumpp äußerte sich kritisch zu den Zielen des Ernährungsministeriums: „Dahinter steckt die Absicht, das Lebensmittelangebot zu steuern und somit nichts anderes als eine staatliche Bevormundung mündiger Verbraucher“.

Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverband Deutschland e.V., unterstrich in seinem Statement die Bedeutung eines breiten Lebensmittelangebots: „In Deutschland gibt es ein unglaublich vielfältiges Angebot an Lebensmitteln (…). Für jeden Lebensstil kann man jede Form von Produkten im Supermarkt um die Ecke bekommen. Jeder kann sich deswegen auch ausgewogen ernähren.“

Süßstoff-Verband fordert die Geschmacks- und Wahlfreiheit zu bewahren

Trotz aller Beteuerungen, keine Ernährungsverbote auszusprechen und keine Rezepturvorgaben zu machen, gestaltet das Ernährungsministerium derzeit Schritt für Schritt den Rahmen für weniger Vielfalt, weniger Angebot und weniger Auswahl.

„Daher ist es wichtiger denn je, für Geschmacks- und Wahlfreiheit zu kämpfen. Denn der süße Geschmack ist eine beliebte, wenn nicht sogar die beliebteste Geschmacksrichtung. Daran ändern auch Geschmacksvorgaben nichts. Viel wichtiger ist es, Verbraucherinnen und Verbrauchern ein vielfältiges Lebensmittelangebot zu bieten, das eine ausgewogene Ernährung ermöglicht. Süßstoffe spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie können nachweislich die Energiedichte sowie den Kohlenhydratgehalt eines Produkts verringern und ermöglichen eine große Auswahl an süß schmeckenden Lebensmitteln und Getränken. Süßstoffe von Reformulierungen auszuschließen, macht daher überhaupt keinen Sinn“, erklärt Isabelle Begger, Vorstandsvorsitzende des Süßstoff-Verbands.

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