Stylebook Studie: So steht es um die finanzielle Unabhängigkeit deutscher Frauen

welt.de: Das 21. Jahrhundert ist geprägt von starken Frauen – doch die Realität ist ernüchternd: Frauen verdienen weniger, sind seltener in Führungspositionen und arbeiten häufiger in Teilzeit – und einige Frauen besitzen noch nicht einmal ein eigenes Konto.

Es ist noch gar nicht so lange her, da mussten verheiratete Frauen in Deutschland ihren Mann um Erlaubnis fragen, wenn sie etwa arbeiten gehen wollten. Bis 1977 war das in Westdeutschland so. Das ist zum Glück heute anders – und damit konnten sich Frauen auch in finanzieller Sicht von ihren Männern emanzipieren.

Dennoch gibt es eklatante Unterschiede, wenn man die finanzielle Lage von Männern und Frauen in Deutschland vergleicht. So zeigen die Ergebnisse des „Beauty Impacts Reports 2022“, der im Auftrag des Onlinemagazins „STYLEBOOK“ (das wie WELT zum Axel-Springer-Konzern gehört) von der Axel Springer Marktforschung in Kooperation mit INNOFACT durchgeführt wurde, dass sich Frauen häufig Sorgen um ihre finanzielle Lage machen. Das geht so weit, dass besonders junge Frauen sogar heiraten würden, um sich finanziell abzusichern.

Geld: Etwa 8 Millionen Frauen haben kein eigenes Konto in Deutschland

Rund elf Prozent der Befragten Frauen gaben an, über kein eigenes Konto zu verfügen. 29 Prozent teilen sich immerhin ein gemeinsames Bankkonto mit ihrem Partner und 13 Prozent erhalten ein Haushalts- beziehungsweise Taschengeld, wie aus den Zahlen des repräsentativen „Beauty Impact Reports“ hervorgeht. Dafür wurden im Juni dieses Jahres insgesamt 1.000 Frauen im Alter von 16 bis 79 Jahren online befragt.

Dass viele Frauen zumindest bei Geldthemen immer noch abhängig von ihrem Ehemann oder Lebenspartner sind, zeigt sich auch an weiteren Umfragewerten. Rund ein Fünftel der 16- bis 29-jährigen Frauen können sich sogar vorstellen zu heiraten, um sich finanziell abzusichern. Welche Ursachen die großen Sorgen der jungen Frauen haben, deckt der Report allerdings nicht auf.

Auch ist unklar, ob die befragten Frauen sich in puncto finanzieller Bildung sicher genug fühlen oder ob ihre Befürchtungen, finanziell ohne Mann nicht gut dazustehen, nur daher rühren, dass es ihnen an Wissen um Anlagemöglichkeiten oder finanzielle Vorsorge mangelt, weil viele diese Themenbereiche noch immer als Männersache ansehen.

Auch in Sachen Kinderwunsch spielt die finanzielle Abhängigkeit eine Rolle

Eine Familie zu gründen, ist eine lebensverändernde Entscheidung – und ein immenser Karriereeinschnitt, der nicht selten auch finanzielle Einbußen mit sich zieht. Darüber sind sich viele Frauen im Klaren. Zwar hatten 43 Prozent der befragten Frauen laut Umfrage einen starken Kinderwunsch, aber nur ein gutes Drittel gibt an, gerne Hausfrau und Mutter zu sein. Etwa 20 Prozent der Frauen bevorzugen eine berufliche Karriere anstelle der Mutterrolle. Die Angst vor der finanziellen Abhängigkeit spiele bei der Entscheidung für oder gegen Kinder eine gewichtige Rolle.

Hinzu kommt die in vielen Haushalten anscheinend noch immer sehr traditionelle Rollenverteilung, die es vielen Frauen schwer machen könnte, finanziell unabhängig zu werden. 53 Prozent der befragten Frauen glauben, es sei schwierig, eine ausgewogene Work-Life-Balance zu erreichen, wenn man Kinder hat. Etwa 36 Prozent gaben an, unbezahlte Care-Arbeit zu leisten. Sind bereits Kinder vorhanden oder geplant, geben 86 Prozent der Frauen an, auf sich allein gestellt zu sein, weil ihr Partner sie bei der Erziehung und Hausarbeit nicht entlaste. Nur 14 Prozent der Befragten gaben an, sich in dieser Hinsicht auf ihren Partner verlassen zu können.

Die ernüchternden Zahlen könnten aber auch das Resultat der Realität in der Arbeitswelt sein. Laut Angaben des Bundesfamilienministeriums verdienen Frauen im Durchschnitt rund 18 Prozent weniger als Männer in vergleichbaren Positionen mit ähnlicher Berufserfahrung.

Diese Gender-Pay-Gap macht es für viele Ehepaare finanziell attraktiver, dass Frauen etwa länger Elternzeit nehmen als Männer. Auch das im deutschen Steuerrecht verankerte Ehegattensplitting drängt Frauen manchmal vorschnell in die Hausfrauen-Rolle.

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