Parship Studie: Treffen in der virtuellen Realität und Hochzeit mit einem Roboter – Die Beziehungen der Zukunft

web.de: Aktuell sind Dating-Apps und Online-Portale bei der Partnersuche bei vielen Menschen beliebt. Aber gehören sie vielleicht schon bald wieder der Vergangenheit an. Einige Unternehmen arbeiten bereits an neuen virtuellen Konzepten, wie wir künftig unsere Mrs. oder unseren Mr. Right kennenlernen.

Einmal nach links wischen, dann wieder nach rechts: Viele Menschen lernen ihre künftige Partnerin oder ihren künftigen Partner über Online-Dating und Dating-Apps kennen. Dabei geht es meist zuerst nach dem Aussehen, im Anschluss schreiben sich die „Matches“ dann Nachrichten und treffen sich, wenn alles gut läuft, schließlich in der realen Welt.

Neben beliebten Dating-Apps wie Tinder oder Bumble wollen sich auch andere auf dem Markt behaupten. Unter anderem gibt es Dating-Apps speziell für Veganer oder Gamerinnen oder solche, bei denen die Kommunikation ausschließlich via Sprachnachrichten läuft. Sogar anhand des Kühlschrankinhalts lassen sich mittlerweile mögliche Partner und Partnerinnen finden.

Künstliche Intelligenz (KI) kommt bei Dating-Apps bereits zum Einsatz. Unter anderem, um festzustellen, ob ein Profil echt oder Fake ist oder um Suchfunktionen zu optimieren. Künftig werden Apps wohl noch gezielter auf persönliche Vorlieben eingehen, wie die Sexologin und Psychotherapeutin Kristie Overstreet im Interview mit Bumble.com sagte: „Wir werden uns auf unsere Vorlieben konzentrieren, vom Aussehen bis zum Standort, so wie wir es auch bei der Bestellung von Essen tun. Das ist keine Garantie für ein glückliches Leben, aber es ist eine gute Chance, weil wir die Leute schneller aussortieren können.“

Virtuelles Dating ist längst keine Zukunftsmusik mehr

Vor allem seit Beginn der Corona-Pandemie sind Liebessuchende vermehrt auf Dating-Apps und Online-Portale angewiesen. Das zeigen Daten diverser Plattformen, die einen Anstieg der Anmeldungen registrierten. Aber es geht noch weiter: Eine Umfrage von INNOFACT in Auftrag von Parship im Juli 2021 zeigte, dass fast zwei Drittel (61 Prozent) der Befragten denken, dass auch Dates künftig vermehrt virtuell stattfinden werden, also über Video-Calls oder Virtual Reality.

Doch wie könnte das aussehen? Laut lovescout24.de werden „[n]eue Technologien wie Augmented und Virtual Reality, die sich heute noch in der Frühphase befinden, […] in Zukunft neue Dating-Welten eröffnen und das Digital Dating wird sich dabei immer stärker dem Gaming anpassen“. Ein romantisches Candle-Light-Dinner? Dafür müssten Datende dann keinen Fuß mehr vor die Türe setzen. Stattdessen können sie sich mithilfe von Avataren in einer virtuellen Welt kennenlernen.

Mit der Idee, dass Dating in einer virtuellen Welt zur Tagesordnung werden wird, liebäugeln bereits einige Unternehmen. Planet Theta ist das erste, das eine Virtual-Reality-Dating-App auf den Markt gebracht hat. Die Entwickler versprechen Dates, bei denen User und Userinnen etwa durch einen verwunschenen Wald wandern, in einer Bar einen Drink genießen oder sich zum Karten spielen treffen können. Um in diese virtuelle Welt eintreten zu können, bedarf es lediglich VR-Equipments.

Auch die Tinder-Muttergesellschaft Match Group spielt mit dem Gedanken, Dating auf eine virtuelle Ebene zu heben, wie CEO Renate Nyborg in einem Interview bei der Reuters Next Conference sagte: „Wir haben über ein Tinderverse gesprochen, bei dem es darum geht, die Grenzen zwischen offline und online zu verwischen.“ Der Fokus liege jedoch weiterhin darauf, Menschen zu helfen, sich im echten Leben zu treffen.

In einem Brief an die Aktionäre kündigte die Match Group im vergangenen Jahr an, eine App namens Single Town zu entwerfen. In der geplanten Live-Welt sollen sich Singles, repräsentiert durch ihre Avatare, an virtuellen Orten bewegen und per Audio mit anderen in Kontakt treten können. „Dieses Projekt befindet sich noch im Anfangsstadium, aber es könnte zu einer eigenständigen App werden und auch zu einer verbesserten Erfahrung beim Finden und Treffen von Menschen führen.“

Bereits im Jahr 2019 prophezeite die Lernpsychologin Lindsay Portnoy dem US-Magazin „Forbes“: „Die Möglichkeit, die Nutzer über mehrere Sinne anzusprechen, aus der Sicherheit des eigenen Raums heraus zu kommunizieren und die Möglichkeit, den Partner in einem virtuellen Raum zu hören, zu sehen und vielleicht sogar zu fühlen, sind einige der vielen Gründe, warum die virtuelle Realität die Zukunft von Dating und Liebe sein könnte.“ Gemeinsame Erlebnisse könnten in der virtuellen Realität genauso stark sein wie im wirklichen Leben, berichtet „Forbes“ unter Berufung auf verschiedene Studien.

Beziehungen mit Avataren und Robotern

Künftig könnte es aber auch Mischformen geben. Bei der Umfrage von INNOFACT gaben 34 Prozent der Befragten an, zu glauben, dass Menschen immer mehr Beziehungen mit virtuellen Avataren eingehen werden. 27 Prozent gehen sogar davon aus, dass Menschen vermehrt Beziehungen mit menschenähnlichen Robotern eingehen werden.

Einige, die sich in Roboter oder ähnliches verliebt haben, sorgten in den vergangenen Jahren für Schlagzeilen. Da wäre etwa der Japaner Akihiko Kondo zu nennen, der das Hologramm der Manga-Figur Miku Hatsune ehelichte. Der Australier Geoff Gallagher machte 2020 seine Beziehung zu einer Roboter-Frau öffentlich – und plant nun, seine Herzensdame zu heiraten.

Der Kognitionspsychologe Martin Fischer sagte in der Arte-Dokumentation „Werden wir Roboter lieben?“, schon jetzt gebe es Berichte, dass Besucher in Bordellen nach Dienstleistungen von Robotern fragen würden. Ein Sexroboter für zu Hause? Hersteller wie Real Doll machen das möglich. Maschinen wie Harmony oder Solana haben jedoch ihren Preis: Sie kosten zwischen 5.000 und 15.000 Euro.

Die Roboter können sich bewegen und einfache Unterhaltungen führen. Dadurch können Menschen durchaus Emotionen für die Maschinen entwickeln – umgekehrt ist das jedoch natürlich nicht der Fall. Der Informatiker Peter Robinson erklärte in der Arte-Doku: „Sie haben keine Gefühle. Es ist nur eine Simulation; es sind nur Maschinen.“ Durch Technik ist es jedoch möglich, dass Roboter mit ihrem „Gesicht“ Emotionen wie Trauer, Wut oder Interesse zeigen können. Durch maschinelles Lernen wiederum können sie die Gefühle der Menschen erkennen.

Der Maschinenethiker Oliver Bendel schließt jedoch nicht aus, dass Roboter eines Tages Gefühle entwickeln könnten. „Es ist heute möglich, Gehirnzellen im Reagenzglas zu halten, die dann Aktivitäten entwickeln. Das wäre eine Möglichkeit, ein Kunstgehirn auf biologischer Basis aufzubauen.“ Das ist allerdings noch Zukunftsmusik.

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