Parship Studie: Beginnt Fremdgehen schon mit dem Anmelden bei einer Dating-App?
krautreporter.de: Manchmal bin ich überrascht davon, wie wenig Einigkeit es über gewisse Konzepte gibt. Nehmen wir einen Stuhl, ob nun einen klassischen Bürostuhl, Carl Hansens Wishbone oder Thonets Freischwinger. So unterschiedlich ihr Design auch sein mag, ob sie nun vier Stuhlbeine haben, nur eines mit Rollen drunter oder zwei gebogene Beine – wir alle erkennen sicher, dass es ein Stuhl ist.
Worin sich aber viele scheinbar nicht einig sind, ist die Vorstellung von Fremdgehen. Nun gut, vielleicht ist das auch weniger greifbar als ein Stuhl.
Jedenfalls spalten sich die Meinungen, wenn es um das Anmelden auf Dating-Apps, Knutschen oder One-Night-Stands geht und die Frage, ob alles oder nichts davon Fremdgehen darstellt. Das haben die Dating-App Parship und das Marktforschungsinstitut INNOFACT vor Kurzem in einer repräsentativen Studie herausgefunden. Und weil sie solche Daten bereits 2018 erhoben haben, können sie vergleichen und sagen: Die Deutschen sind lockerer geworden, wenn es um Fremdgehen geht.
Hatten bei der vorherigen Umfrage noch 81 Prozent angegeben, dass Fremdknutschen Fremdgehen ist, waren 2024 nur noch 57 Prozent der Meinung. Wobei sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigen, denn während nur etwa jeder zweite Mann findet, dass das untreu ist, werten 64 Prozent der Frauen es als Fremdgehen.
Auch Affären, die über längere Zeit gehen, nehmen viele lockerer. 2018 gaben noch 97 Prozent der Befragten an, dass das Fremdgehen ist. 2024 waren es nur noch 85 Prozent. Und auch One-Night-Stands sehen viele lockerer, statt 96 Prozent sehen das heute 82 Prozent als Untreue.
Und noch letzte Zahlen: Die Anmeldung bei Dating-Apps bewerteten zuvor 87 Prozent und nun nur noch 63 Prozent als Fremdgehen.
Woher dieser Wandel kommt? „Ich beobachte in meiner Arbeit als Paartherapeut eine zunehmende Differenzierung zwischen emotionaler und körperlicher Treue“, zitiert das Marktforschungsinstitut Innofact den Paartherapeut und Single-Coach Eric Hegman, der auch an der Studie mitwirkte.
INNOFACT schreibt auf der Website weiter: „Es geht bei der Frage der Treue um Sicherheit: „Bin ich deine Priorität? Kann ich mich auf dich verlassen? Verzichtest du zugunsten unserer Verbindung auf alles, das diese gefährden könnte?“, sagt Hegman. „Paare, die vor diesem Hintergrund über ihre Bedürfnisse verhandeln, einigen sich häufig darauf, dass körperliche Erfahrungen in Außenbeziehungen die Sicherheit einer tiefen emotionalen Verbindung nicht bedrohen müssen. Sie sagen, die emotionale Treue ist unser Gradmesser.“
Wichtig ist am Ende wohl, dass jedes Paar für sich klärt, wo es die Grenze zieht.


