Oply Studie: Nachfrage nach Carsharing wächst

10. Apr 2018

süddeutsche.de: Im Stau stehen. Keinen Parkplatz finden. Einen teuren Garagenplatz bezahlen. Münchens Straßen sind inzwischen so voll, dass immer mehr Leute auf ein eigenes Auto verzichten. Stattdessen setzen viele – wenn sie wirklich mal ein Auto brauchen – auf Carsharing. Der Markt wächst weiter, wenn auch langsam: An diesem Dienstag startet ein neuer Carsharing-Anbieter in München. “Oply” heißt das Unternehmen mit Sitz in Berlin. Es ist eine Tochter der luxemburgischen Firma Examotive S. A., die an urbanen Mobilitätsformen wie autonomem Fahren und eben Carsharing arbeitet. Größter Anteilseigner der Examotive ist der chinesische Automobilkonzern SAIC.

100 Autos bringt Oply zunächst auf Münchens Straßen. Das System ähnelt dem von Flinkster respektive Stattauto. Die Fahrzeuge können nicht ausgeliehen und dann irgendwo im Stadtgebiet wieder abgestellt werden, sondern sind stationsbasiert. Als “Stationen” dienen in diesem Fall 41 Münchner Parklizenzgebiete, in denen jeweils zwei bis drei Autos zu finden sein werden. Wer sie ausleiht, muss sie dorthin auch wieder zurückbringen, das Modell geht also eher in Richtung Autovermietung.

Die Registrierung erfolgt wie bei den Wettbewerbern per App, zahlen können die Kunden per Kreditkarte oder Sepa-Lastschriftverfahren. Dann kann man sich entweder spontan einen Wagen anmieten, etwa für eine Einkaufsfahrt, oder bis zu sechs Monate im Voraus reservieren, zum Beispiel für eine Urlaubsreise. München ist die erste Stadt, in der Oply auf den Markt drängt, weitere seien geplant, sagt Oply-Geschäftsführerin Katharina Wagner. Wenn das Modell funktioniert, dann will Oply das Angebot auch weiter ausbauen. Die Autos fahren mit einem Wiesbadener Kennzeichen – laut Wagner gibt es mit den hessischen Behörden einen Deal zur vereinfachten Zulassung der Wagen.

Um den Markt zu erkunden, hat Oply eine Umfrage beim Marktforschungsunternehmen INNOFACT in Auftrag gegeben. 517 Münchner wurden dabei zum Thema Carsharing befragt, das Ergebnis: 45,8 Prozent haben im vergangenen Jahr mindestens einmal ein Auto ausgeliehen, 17,2 Prozent haben einen Carsharing-Anbieter genutzt, knapp 55 Prozent der Befragten gaben an, dass sie künftig Carsharing nutzen wollen. Nur gut ein Drittel ist allerdings zufrieden mit dem Carsharing-Angebot in München, wobei sich 75Prozent vorstellen können, auf ein eigenes Auto in Zukunft ganz zu verzichten.

Letztere Antwort spricht Bände, wenn es ums Thema Autofahren in München geht. Dann ist nur selten von “Freude am Fahren” die Rede, wie sie etwa BMW seit Jahren in seiner Werbung propagiert. BMW ist selbst in München unter der Marke Drive-Now mit 750 Carsharing-Fahrzeugen (darunter 85 Elektro-Autos) der größte Anbieter in der Stadt, gefolgt vom Anbieter Car2Go, der zur Daimler AG gehört und in der Stadt 550 Autos auf der Straße hat. Der Zusammenschluss beider Anbieter gilt als sichere Sache, derzeit allerdings wollen beide die Berichte über eine Fusion nicht kommentieren.

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