Neue Datenpanne – Verlieren Facebook-Nutzer die Geduld? Handelsblatt-Interview mit Christian Thunig

11. Jun 2018

handelsblatt.com: Schon wieder sind Millionen Nutzer von Facebook Opfer einer Datenschutz-Panne geworden. Ein Vertrauensverlust mit langfristigen Folgen.

Noch lassen sich die Mitglieder des Netzwerks nicht beirren: So fragte der Düsseldorfer Marktforscher INNOFACT im April in einer Erhebung, ob die Befragten ihren Umgang mit Facebook ändern würden. Rund 53 Prozent antworteten damals im Schein des Skandals um Cambridge Analytica, sie würden das Netzwerk nach wie vor nutzen.

Auch eine Umfrage der Jugendzeitschrift Bravo und des Marktforschers Yougov unter Jugendlichen kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Zwar war den Befragten Datenschutz wichtig, aber immerhin 38 Prozent gaben an, der Änderung der Nutzungsbedingungen im Zuge der Datenschutzgrundverordnung zugestimmt zu haben, ohne sie zu lesen. Immerhin 16 Prozent meinten, dass sie die Änderung nicht gelesen hätten, weil sie Diensten wie Instagram, Facebook oder Snapchat vertrauen würden.

Doch gerade die Sache mit dem Vertrauen ist eine fragile Angelegenheit, meint Christian Thunig, Markenexperte und Partner beim Marktforscher INNOFACT: „Die Marke Facebook leidet unter den jüngsten Skandalen und Pannen – und das beschädigt auch das Vertrauen der Nutzer.“

Schon jetzt zeige sich, dass Menschen sich zwar nicht abmeldeten, wohl aber weniger Zeit auf der Plattform verbrächten, erklärt Thunig: „Und das ist ja entscheidend für die Werbekunden – je länger Nutzer auf der Plattform verweilen, desto besser sind sie durch Werbung zu erreichen.“

Thunig verweist auf eine Untersuchung der Markenberatung Prophet, nach der rund 80 Prozent der Befragten misstrauisch gegenüber Facebook seien. „Das ist ein wenig wie mit dem Plastikmüll: Noch konsumieren wir alle fleißig, obwohl wir darum wissen, dass es besser wäre, es nicht zu tun. Wir haben noch keine Alternative.“

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