„Mehr als Marketing“: Vom einfachen Tauschgeschäft zur Manipulationsindustrie. Ein Fachartikel von Christian Thunig in der absatzwirtschaft

28. Jun 2018

Marketing – für viele ist es eine unnütze Disziplin. Diese Einstellung sollten wir einige Sekunden aushalten, um zu ergründen, warum überhaupt Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Disziplin aufgekommen sind. Wie entstand das Marketing? Christian Thunig, Managing Partner bei Innofact, beschreibt im ersten Teil seines Fachartikels, die Herleitung und die Rechtfertigung des Marketings.

Angefangen hatte alles mit dem Tauschhandel. Dort traten zwei komplementäre Güterinhaber einander gegenüber, um ihren aktuellen und akuten Bedarf zu decken. Später, so ab dem sechsten Jahrhundert vor Christus kam das Geld als systematisches Zahlungsmittel in den Warenverkehr. Das löste viele Probleme, weil nun der Warenübergang viel einfacher und zeitunkritischer wurde.

Unabhängig davon ging es aber in jedem Falle um Bedürfnisbefriedigung und eine echte Problemlösung: der eine brachte Ware, die der andere brauchte. Im vorletzten Jahrhundert transformierten die meisten Märkte: von einem Verkäufermarkt in einen Käufermarkt. Die Macht lag also nicht mehr beim Wareninhaber, der mehr oder weniger die Warenverteilung organisierte, sondern beim Käufer, der mit wachsender Auswahl seinerseits Druck auf die Verkäufer ausüben konnte. Das war in den 1960er Jahren.

Damit wurde Marktbearbeitung seitens der Unternehmen entscheidend. Marketing wurde zu einer wichtigen Disziplin und begann sich als Führungsfunktion zu etablieren. Gleichzeitig kam in den USA, wo das Marketing bereits etwas weiter gediehen war, schon die ersten Zweifel auf. Das Buch „Die geheimen Verführer“ von Vance Packard 1957 beschworen ein Bild der bewussten Täuschung mit allen psychologischen Tricks herauf.